
Einige Gedanken zu Brains on Silicon 2025
03. Nov. 202517. Juni 2026
Im Moment setze ich mich mit den Herausforderungen auseinander, wie künstliche Intelligenz sowohl Produkte als auch unsere Zusammenarbeit verändert. Deshalb war ich bei Brains on Silicon 2025, die am 22.–23. Oktober 2025 in Dresden stattfand – die erste groß angelegte KI‑Konferenz, die jemals in der Stadt ausgerichtet wurde.
Es war großartig zu sehen, dass ein so ambitioniertes Event vor Ort stattfand und Forschende, Industrievertreter und kreative Köpfe aus ganz Deutschland zusammenbrachte. Zwei Tage voller Vorträge, Keynotes und Gespräche zeigten, dass Dresden nicht nur Chips baut, sondern auch Ideen für die intelligenten Systeme prägt, die darauf laufen werden.
Anstatt alles zusammenzufassen, habe ich die wichtigsten Gedanken und ein paar für mich herausstechende Momente festgehalten.
Tag 1 – Wenn Maschinen zu Partnern werden
Der erste Tag begann mit John Paul Li (Google), der über nicht-menschliche Identitäten sprach – digitale Agenten, die sich in Geschäftssystemen wie Menschen verhalten und authentifizieren. Sein Vortrag war sowohl technisch als auch philosophisch: Wir arbeiten heute an der Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine – und genau dort entsteht der eigentliche Mehrwert. Er erinnerte alle daran, KI nicht als Zauberhammer für jedes Problem zu betrachten:
“Wir sind gut darin, Maschinen Symbole beizubringen, aber wir tun uns noch schwer, Bedeutung zu verstehen.”
Sven Lindenhahn (Staffbase) verlagerte anschließend den Fokus auf die Kommunikation in Organisationen. Er zeigte, wie KI Unternehmen helfen kann, von Top-down-Ansagen zu interaktivem, skalierbarem Dialog zu wechseln. Die Idee von KI als Gesprächspartner statt als Sender war erfrischend und praxisnah.
Am Nachmittag schilderte Hans Piechatzek (move elevator), wie seine Agentur KI in Kreativ- und Marketingarbeit einsetzt – von automatisierter Content-Erstellung bis zum Bau einer KI-gesteuerten Website. Sein offener, ehrlicher Blick darauf, was funktioniert hat und was nicht, machte den Vortrag zu einer der greifbarsten Sessions des Tages.
Philipp Klöckner, Investor und Stratege, folgte mit einer ökonomischen Perspektive: KI definiert Wettbewerbsvorteile neu.
“Die nächsten Einhörner werden aus Teams kommen, die schneller lernen – nicht aus denen, die mehr ausgeben.”
Philipp Klöckner über die Entwicklung großer Sprachmodelle
Später beleuchtete Prof. Dr. Florian Röhrbein (TU Chemnitz) die Neurorobotik – wie biologische Prinzipien wie neuronale Plastizität und sensorisches Feedback verkörperte Intelligenz inspirieren können. Es war einer der wenigen Vorträge, die Neurowissenschaft und Technologie verbinden, und erinnerte daran, dass Lernen und Anpassung ebenso physisch wie digital sind.
Tag 1 endete in einem optimistischen, aber geerdeten Ton: Das eigentliche Potenzial der KI entfaltet sich, wenn Menschen und Maschinen gemeinsam lernen und gestalten.
Tag 2 – Vom Mindset zur Infrastruktur
Tag 2 begann mit einer energiegeladenen Keynote von Frank Kebbekus, der die emotionale Seite von Transformation adressierte: Angst, Neugier und Tempo. Er ermutigte Führungskräfte, Unsicherheit mit Offenheit und Empathie zu begegnen – eine gute Erinnerung daran, dass Transformation mit Kommunikation beginnt, nicht mit Technologie.
“KI kommt schnell, und wir dürfen nicht einfrieren. Sprecht mit euren Teams. Geht voran — stellt euch nicht tot.”
Frank Fitzek (TU Dresden) sprach anschließend über Edge Computing und Konnektivität. Er beschrieb Datennetze als das Nervensystem der digitalen Gesellschaft und zeigte, dass KI-Innovation ebenso sehr von verlässlicher Infrastruktur wie von cleveren Algorithmen abhängt.
Danach stellte Daniel Dietze (digitalwert) sein Konzept des Vibe Marketing vor – wie KI den emotionalen Tonfall von Inhalten wahrnehmen und darauf reagieren kann. Seine Präsentation zeigte kreatives Potenzial statt reiner Automatisierung: KI als Mitgestalter, der Marketer dabei unterstützt, Zielgruppen tiefer zu verstehen und Geschichten zu erzählen, die Resonanz erzeugen.
Dr. Christian Koitzsch (ESMC) rückte den Fokus zurück auf Hardware und Halbleiter. Seine Session erklärte, warum europäische Chipfertigung entscheidend für KI-Souveränität ist – damit die Rechenleistung hinter KI lokal und vertrauenswürdig bleibt.
Ralph Engelmann (queo ValueTec) hielt einen der bodenständigsten, entwicklerorientierten Vorträge über Dokumentation in der Softwareentwicklung. Er legte überzeugend dar, dass gut strukturierte Dokumentation keine Last ist, sondern ein zentraler Enabler für KI-unterstütztes Programmieren und Wissensweitergabe – essenziell, wenn Teams menschliche und maschinelle Beitragende mischen.
Zum Schluss gab Magdalena Wekenborg (TU Dresden) Einblicke in Stressforschung und gesunde Mensch–KI-Interaktion und hob hervor, wie wichtig es ist, Systeme zu gestalten, die Menschen stärken statt erschöpfen.
Themen verknüpfen
Über beide Tage hinweg tauchten immer wieder mehrere Themen auf:
- KI an der Schnittstelle: Wirklicher Fortschritt entsteht dort, wo Menschen und Maschinen zusammenarbeiten.
- Kultur vor Code: Offenheit, Dialog und Lernen sind wichtiger als Werkzeuge.
- Infrastruktur zählt: Von Datenpipelines bis zu Halbleitern ist KI auf ein starkes Rückgrat angewiesen.
- Fokus Mensch: Vertrauen, mentale Gesundheit und Transparenz müssen im Zentrum bleiben.
- Klein anfangen, schnell lernen: Erfolgreiche Teams experimentieren früh und skalieren, was funktioniert.
Fazit
Brains on Silicon 2025 war nicht nur eine Technologieschau – es fühlte sich an wie eine Momentaufnahme, wie Industrie, Wissenschaft und Kreativität rund um KI zusammenfinden. Die Sessions waren vielfältig, doch der Geist war konsistent: pragmatisch, offen und menschlich.
Ich hatte außerdem viele spannende Gespräche mit Menschen, die vor ähnlichen Transformationsthemen stehen, traf ein paar ehemalige Kolleginnen und Kollegen und ließ den Tag bei guter Musik und entspannten Gesprächen auf der Party ausklingen. Ein perfekter Abschluss von zwei inspirierenden, sehr menschlichen Tagen über die Zukunft intelligenter Systeme — und ein stolzer Moment, Dresden als echten Knotenpunkt für einen sinnvollen KI-Dialog auf der Landkarte zu sehen.

